Jede Piraten-Mission will gründlich geplant sein und manchmal gibt es vor dem Start noch Unklarheiten. Warum dürfen nur Gruppen teilnehmen und an wen kann ich mich bei Fragen wenden? Auf dieser Seite finden sich Antworten zu den Zielen und zum Ablauf der Aktion Plastic Pirates – Go Europe!, die für Teilnehmende, Lehrkräfte und Gruppenleitungen wichtig sind.
Worum geht es beim Projekt Plastic Pirates – Go Europe!?
Die Verschmutzung von Meeren, Seen und Flüssen mit Makro- und Mikroplastik ist eine große Belastung für die Stabilität der marinen Ökosysteme und eine Gefahr für Tiergesundheit und Pflanzenvielfalt. Zum Ausmaß der genauen Belastung liegen der Wissenschaft – weltweit und hier bei uns in Europa – jedoch noch immer viel zu wenige Daten vor. Das Projekt soll die wissenschaftliche Arbeit zur Erforschung des Plastikmüll-Problems sowie das Bewusstsein zur Vermeidung von Plastikmüll noch stärker als bisher ins Bewusstsein der Öffentlichkeit bringen. Für Schulklassen und außerschulische Jugendgruppen aus Europa findet daher die Citizen-Science-Initiative Plastic Pirates – Go Europe! statt. Die Teilnehmenden sind aufgerufen, an Gewässerufern Plastikmüllarten zu identifizieren und durch das Einsenden ihrer Ergebnisse die Wissenschaft zu unterstützen. In Deutschland finden regelmäßig Aktionszeiträume statt, diese variieren jedoch bezüglich ihrer regionalen Ausrichtung und Art des Gewässers: Zum Beispiel konzentrieren sie sich entweder auf einzelne Flusssysteme (etwa Elbe, Donau) und Küstenregionen oder sie beziehen bundesweit alle Gewässer mit ein, von Flüssen und Bächen bis hin zu Küsten und Inseln.
Warum legen die Plastic Pirates in Deutschland immer mal wieder einen Schwerpunkt auf einzelne Flusssysteme sowie den deutschen Küsten?
Um die Zusammenhänge des Transports von Müll vom Fluss Richtung Meer besser zu verstehen, ist es hilfreich, den Fokus auf bestimmte Flusssysteme zu legen. In vergangenen Aktionszeiträumen wurde das Müllvorkommen insbesondere in den Flusssystemen der Elbe und der Donau untersucht. Auch die verschiedenen Zu- und Nebenflüsse können erforscht werden. Im Fall der Elbe sind das beispielsweise die Havel, die Mulde, die Saale oder die Unstrut sowie zahlreiche kleinere Zuflüsse. Zur Donau gehören beispielsweise der Brigach, der Berg, die Schmeide, die Lauchert, der Fehlbach, die Blau und der Regen. Im Frühjahr 2027 wird der Schwerpunkt erneut auf dem Elbe-Flusssystem liegen.
Darüber hinaus werden seit Oktober 2024 zusätzlich die deutschen Küsten und Inseln untersucht. Der Hintergrund ist, dass die Übergangsbereiche zwischen Flüssen und Küsten besonders wichtig sind, da hier Plastikmüll aus Flüssen ins Meer gelangt. Die Teilnahme ist an Stränden der Nord- und Ostsee möglich.
Wann findet der nächste Aktionszeitraum statt?
Aktuell gibt es zwei bevorstehende Aktionszeiträume - im Herbst 2026 und Frühjahr 2027. Vom 1. September bis zum 30. November 2026 können bundesweit alle Gewässer beprobt werden - von Flüssen und Bächen bis hin zu Küsten und Inseln. Vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2027 liegt der Fokus speziell auf Küsten, Inseln und dem Flusssystem der Elbe samt ihren Zuflüssen, darunter Havel, Saale und Mulde.
Was ist überhaupt Citizen Science?
Citizen Science („Bürgerwissenschaften“) bedeutet, dass interessierte Bürgerinnen und Bürger, z. B. durch eigene Dokumentation und Messergebnisse, Wissenschaftlerinnen und Forscher unterstützen. Forscherinnen und Forscher arbeiten bereits auf vielfältige Art und Weise sowohl auf nationaler Ebene, als auch europa- und weltweit daran, gemeinsam Forschungslücken zu schließen. Plastic Pirates – Go Europe! ist eine solche Citizen-Science-Initiative und trägt zur Forschung über die Verbreitung von Makro- und Mikroplastik in und an europäischen Gewässern bei.
Welche Aufgaben sind zu erfüllen?
An Stränden, Küstenabschnitten, Uferabschnitten, Fließgewässern oder in gewässernaher Natur müssen von den teilnehmenden Teams (Schulklassen und außerschulische Jugendgruppen) Plastikmüllvorkommen erfasst und mit Verweis auf den Fundort unterschiedlichen Kategorien von Plastik zugeordnet werden.
Wie werden die Daten erhoben?
Die Datenerhebung findet an Küsten, am Ufer eines Flusses, Baches oder Fließgewässers durch das Einsammeln der unterschiedlichen Arten von dort gefundenem Plastikmüll statt. Es werden in unterschiedlichen Abschnitten des Fluss- oder Gewässerufers zunächst Zonen markiert. Innerhalb dieser festgelegten Zonen werden dann alle nicht natürlichen Abfallvorkommen gesammelt und dokumentiert. Der genaue Ablauf und die Durchführung der Aufgaben samt Kategorisierung der gesammelten Müllvorkommen werden im Aktionsheft erklärt. Dieses kann bei deinem lokalen Partner bestellt werden.
Was passiert mit den gesammelten Daten?
Die gesammelten Probenergebnisse werden, nach Kategorien von Abfallvorkommen sortiert, online eingereicht und durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgewertet. Auf diese Weise erhält die Forschung mit Unterstützung von Schulklassen und außerschulischen Jugendgruppen Einblicke in die Plastikmüllverschmutzung in unterschiedlichen Regionen Europas – ein Forschungsfeld, für das eine verlässliche Datenbasis bisher noch weitestgehend fehlt.
Warum wird die Aktion europaweit durchgeführt?
Plastic Pirates – Go Europe! hat als europäische Citizen-Science-Aktion das Ziel, die wissenschaftliche Zusammenarbeit in Europa zu stärken, das bürgerwissenschaftliche Engagement und die Beteiligung der Gesellschaft am Europäischen Forschungsraum zu fördern sowie für einen bewussten und schonenden Umgang mit der Umwelt zu sensibilisieren. Während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im Jahr 2020 wurde die Kampagne bis 2021 auf die Länder der Trio-Ratspräsidentschaft Deutschland, Portugal, Slowenien ausgedehnt. Seit Januar 2022 wird die Aktion auf weitere EU-Mitgliedstaaten mit Unterstützung der EU-Kommission ausgeweitet.
Wer darf teilnehmen?
Aufgerufen zur Teilnahme an der europaweiten Citizen-Science-Aktion Plastic Pirates – Go Europe! sind Schulklassen und außerschulische Jugendgruppen im Alter von 10 bis 16 Jahren, jedoch sind auch Ältere und Jüngere herzlich dazu eingeladen, mitzumachen. Eine Teilnahme als Gruppe (Schulklasse oder außerschulische Jugendgruppe) ist deshalb Bedingung, weil während der Aktionsdurchführung unterschiedliche Teilgruppen gebildet werden müssen. Nur so kann die Aktionsdurchführung EU-weit vergleichbar gehalten werden, und die Daten können Eingang in die wissenschaftliche Auswertung finden. Einzelpersonen können sich daher leider nicht an Plastic Pirates – Go Europe! beteiligen.
Wo fand die letzte Aktion statt?
Im Jahr 2025 konnten vom 1. Mai bis 31. Juli 2025 die teilnehmenden Teams Plastikmüllprobe an Stränden und Küstenabschnitten oder an Ufern der Elbe- und Donauregion (einschließlich aller Nebenflüsse) entnehmen. Selbstverständlich konnten auch Proben an anderen Flüssen sowie Seen gesammelt werden – diese flossen dann allerdings nicht in die wissenschaftliche Auswertung ein.
Was wird zur Teilnahme an der Aktion benötigt?
Je nach Witterungsverhältnissen und abhängig von dem Gelände, in dem Plastikmüllvorkommen erhoben werden, wird zunächst geeignete Kleidung und vor allem festes Schuhwerk benötigt. Alle weiteren Informationen zu der Frage, wie mit dem gesammelten Plastikmüll weiter umgegangen wird, können dem Lehr- und Arbeitsmaterial und dem Aktionsheft entnommen werden. Beides kann bei deinem lokalen Partner vor und während der Aktionszeiträume kostenlos bestellt werden.
An wen kann ich mich bei weiteren Fragen wenden?
Die Umsetzung der europaweiten Citizen-Science-Aktion Plastic Pirates – Go Europe! wird vom DLR Projektträger koordiniert, das unter folgenden Kontaktdaten erreicht werden kann. Für die nationale Umsetzung steht der lokale Partner in deinem Land für Fragen zur Verfügung.
Wie werden die Daten übermittelt?
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer tragen die Messergebnisse auf dieser Webseite ein. Eine genauere Anleitung dazu gibt es im Aktionsheft.
Wo sind die Ergebnisse der Datenerhebung sichtbar?
Die Ergebnisse der Datenerhebung werden mithilfe einer digitalen Europakarte auf Basis von Open Street Map präsentiert. Diese Karte ist hier zu finden. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse aus Deutschland aus den Vorjahren ist dort ebenfalls zu finden.
Wie alt muss man sein, um „Plastic Pirate“ werden zu dürfen?
Die Materialien sind für Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren ausgerichtet. Dennoch dürfen auch jüngere oder ältere Personen gerne teilnehmen, sofern sie Teil einer Schulklasse oder Jugendgruppe sind.
Was machen wir mit dem gefundenen Müll?
Nach der Erhebung der Daten und den Fotoaufnahmen kann der gefundene Müll aufgesammelt und entsorgt werden.
Für welche Schulfächer bietet sich die Beschäftigung mit dem Thema an?
Primäre Anknüpfungspunkte an Plastic Pirates – Go Europe! liegen in MINT-Fächern wie Biologie, Geographie, Physik oder Chemie. Relevante Fragestellungen können aber selbstverständlich auch in geisteswissenschaftlichen Unterrichtsfächern behandelt werden. Die Aktion ist so gestaltet, dass sich eine transdisziplinäre Bearbeitung (zum Beispiel im Rahmen einer Projekt- oder Themenwoche) anbietet.
Muss die Teilnahme an der Aktion angemeldet werden?
Eine offizielle Anmeldung ist nicht notwendig. Schulklassen oder außerschulische Jugendgruppen nehmen automatisch teil, wenn sie nach der Exkursion an die Küste oder an das Ufer eines Fließgewässers die Ausbeute ihrer Plastic Pirates unter folgendem Link veröffentlichen.
Bis zu welcher Gruppengröße kann man an der Aktion teilnehmen?
Jede Projektgruppe benötigt mindestens sechs Teilnehmende und sollte aus höchstens 30 Jugendlichen bestehen. Eine durch vier oder fünf teilbare Zahl bietet sich an, da während der Durchführung von Plastic Pirates – Go Europe! bei den Exkursionen zur Probennahme mehrere Untergruppen gebildet werden sollen. Kleine Gruppen können auch unter Bearbeitung von Teilaufgaben des Projekts teilnehmen, wenn die Kapazitäten es nicht anders zulassen.
Gibt es für die Exkursion besondere Aufsichtspflichten?
Für die Gemeinschaftsarbeit im gewässernahen Forschungsfeld gelten die identischen Regelungen und Aufsichtspflichten wie für sonstige reguläre Schulausflüge. Mit der Anerkennung der Teilnahmebedingungen übernehmen die Schulen, Vereine, Verbände und außerschulischen Jugendgruppen die Verantwortung für die teilnehmenden Jugendlichen in dem jeweiligen europäischen Land.
Kann in verschiedenen Aktionszeiträumen die gleiche Stelle an einem Fluss oder an der Küste untersucht werden?
Ja, dies ist möglich und erlaubt den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sogar einen Vergleich über die Zeit bzw. zwischen verschiedenen Jahreszeiten.
Wie viele Jugendliche haben bereits teilgenommen?
Seit dem Start der deutschen "Plastic Pirates" im Jahr 2016 haben mehr als 24.000 Jugendliche an dem Projekt teilgenommen.
Was feiern die deutschen Plastic Pirates im Jahr 2026?
2026 gibt es die deutschen Plastic Pirates seit 10 Jahren. Wir laden junge Menschen, Lehrkräfte und Jugendgruppenleiter*innen herzlich dazu ein, das Jubiläum gemeinsam mit uns zu feiern und im Rahmen zweier Aktionszeiträume weitere Daten zur Müllbelastung zu erheben.